
Wie der Vater, so der Sohn!? Diese Volksweisheit gilt nicht für die Vererbung einer frühen Glatzenbildung beim Mann. Wissenschaftler der Universitäten Bonn und Düsseldorf haben festgestellt, dass ein an der Glatzenbildung beteiligtes Gen auf dem X-Chromosom zu finden ist. Dieses gelangt bei der Befruchtung von der mütterlichen Eizelle in den Chromosomensatz eines männlichen Kindes.
Entscheidend für die Frage nach einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine frühe Glatzenbildung beim Sohn ist demnach, ob der Großvater mütterlicherseits ebenfalls eine Glatze hatte oder nicht.
Die Forscher vom Life & Brain Zentrum des Universitätsklinikums Bonn sowie von der Hautklinik des Universitätsklinikums Düsseldorf haben über mehrere Jahre bundesweit Gene der Mitglieder von Familien untersucht, in denen mehrere Männer von Haarausfall betroffen sind. Dabei scheinen sie erstmals eine der verantwortlichen Erbanlagen identifiziert zu haben. Männliche Geschlechtshormone, die so genannten Androgene, spielen danach tatsächlich eine entscheidende Rolle beim Haarausfall von Männern. Veränderungen in der genetischen Bauanleitung des Androgen-Rezeptors lösen eine frühe Glatzenbildung aus. Die Variante des Gens fanden die Wissenschaftler sehr viel häufiger bei Männern mit früher Glatzenbildung als bei Männern, die noch mit 60 Jahren und darüber volles Haar hatten. Da das beteiligte Gen auf dem X-Chromosom liegt, erben Männer den Defekt von ihrer Mutter.
Die Wissenschaft hat bereits seit längerem vermutet, dass nicht die Menge der männlichen Hormone, sondern eine erhöhte Empfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber diesen Geschlechtshormonen für vermehrten Haarausfall verantwortlich sind. Dies wird durch die neuen Ergebnisse gestützt: Das veränderte Gen sorgt dafür, dass sich bei den betroffenen Männern mehr Androgen-Rezeptoren in der Kopfhaut und an den Haarwurzeln finden, als bei anderen. Dies kann nach Ansicht der Forscher zwei Ursachen haben: Entweder werden mehr Androgenrezeptoren gebildet, oder die Rezeptorvariante, die aufgrund der Genveränderung entsteht, ist stabiler und wird nicht so schnell wieder abgebaut. Die Folgen sind in beiden Fällen mehr Rezeptoren als "normal", so dass es durch beide Mechanismen zu einer stärkeren Wirkung der Androgene und damit zum Haarausfall kommen kann.
Doch das identifizierte Gen ist nicht allein für die Glatzenbildung verantwortlich. Mehrere Erbanlagen sind beteiligt. Die rheinischen Forscher haben Hinweise auf weitere Gene, die unabhängig vom elterlichen Geschlecht vererbt werden. Mitunter vererbt sich die Veranlagung daher auch direkt vom Vater auf den Sohn.
Ärzte Zeitung, 23.05.2005;
Internetseiten: Life & Brain Zentrum des Universitätsklinikums Bonn: http://www.uni-bonn.de, Hautklinik des Universitätsklinikums Düsseldorf: http://www.med.uni-duesseldorf.de