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Düfte und Parfum 

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Männliche Duft-Emanzipation

Anders als für beide Frauengruppen war Duft für junge Männer zunächst unbewertet. Mit einem weniger auf soziale Phänomene trainierten Geruchssinn waren sie schon 1991 durchaus bereit, Duftwässer einzusetzen, solange deutlich genug erkennbar blieb, dass es sich nicht um ein weibliches Parfum handelte. Neben der Erlangung sozialer Akzeptanz durch ein bekanntes Markenprodukt wollten junge Männer in Bezug auf Frauen auch ausstrahlen, dass sie zum gepflegten, „zivilisierten” Teil der Menschheit gehören. Der Duft selbst musste jedoch dem positiv gewerteten Eigengeruch nahe kommen und als männlich empfunden werden.

Heute verwenden 85 Prozent aller Männer Eau de Toilette oder Parfum - nicht täglich, aber zu gegebenem Anlass - und über 90 Prozent setzen Deos ein. Drei von fünf Männern tragen heutzutage auch im Alltag, z.B. bei der Arbeit, einen Duft, also ein Eau de Toilette, Parfum und/oder After Shave. Im Durchschnitt haben Männer von heute vier verschiedene Düfte im Schrank und drei davon in der Verwendung. Wer einen Duft zu Hause hat, legt ihn insbesondere bei Freizeitaktivitäten auf, etwa bei Einladungen, zum Essen gehen oder beim Besuch im Theater, Kino oder Konzert. Das tun etwa drei Viertel aller Männer. Bei der Arbeit trägt ungefähr die Hälfte aller Männer einen Duft. Ein Drittel verzichtet auch beim Sport nicht darauf. Bekennender Duftverweigerer ist heute unter den Männern nur noch jeder Zehnte. Mit mehr als 15 Euro pro Monat geben Männer heute mehr für Düfte aus als beispielsweise für Körperpflegeprodukte.

Der Ausdruck „jemanden nicht riechen”, also nicht leiden zu können, bezieht sich unter anderem auf den Körpergeruch einer Person, der andere körperlich oder seelisch abstößt. Der Eigengeruch eines Menschen gibt Aufschluss über dessen Lebensweise, Befinden und Gewohnheiten, und kann starke positive oder negative Gefühle auslösen. Männlicher und weiblicher Körpergeruch waren und sind jedoch mit unterschiedlichen, sozialgeschichtlich begründeten Tabus behaftet. Der weibliche Organismus produziert auffällige geruchstransportierende Substanzen, z.B. Scheiden- und Menstruationssekret. Weil Frauen als die körperlich Schwächeren es sich nicht erlauben konnten, heftige Gefühle bei anderen auszulösen, fühlten sie sich stärker zu der sozial und gesellschaftlich geforderten Kontrolle des Körpergeruchs aufgefordert als das bei Männern traditionell der Fall war. Eigengeruch wurde und wird durch Reinigung und Hygiene beseitigt.

Im Gegensatz zu Frauen galten bei Männern Eigengerüche von jeher als anerkannter Ausweis von Leistung und Genuss. Das größere Selbstbewusstsein dem eigenen Körpergeruch gegenüber führte lange Zeit dazu, dass Männer weniger motiviert waren, ihre als positiv erlebte Geruchspräsenz wegzuwaschen; sie erlaubten sich mehr Eigengeruch. Die unterschiedlichen Einstellungen von Männern und Frauen zum eigenen Körpergeruch hatten unmittelbare Folgen für die Anwendung von Duftstoffen: Während Frauen künstliche Düfte als Hilfsmittel zur kontrollierten Kompensation und Manipulation ihres Körpergeruchs einsetzten, dienten sie Männern als positive Verstärkung des eigenen Geruchs.

Heute ist die überwiegende Mehrheit der Männer der Meinung, dass die Verwendung von Düften auch zu einem Mann passt. Auch Männer sollen und wollen in der heutigen Zeit gepflegt sein. Das wird von kaum jemandem mehr in Frage gestellt. Drei Viertel aller Männer legt heute sehr großen Wert darauf, immer gepflegt auszusehen. Den übrigen ist es zumindest nicht unwichtig, gepflegt auf andere Menschen zu wirken. Und zum Gepflegtsein gehört für sechs von zehn Männern auch das Auftragen eines Dufts, mehrheitlich eines als männlich empfundenen. Für acht bis neun von zehn ist heute die tägliche Verwendung eines Deos selbstverständlich. Männer wollen sich wohl fühlen und zudem attraktiv sein.

Stand: 25.08.2011
Autor(en): Klaus Afflerbach
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